Schreiben-Reisen-Autor

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Vom Schreiben auf Reisen: Inspiration vs. Ablenkung

Nach dem Ende meines Studiums nahm ich mir ein Jahr Zeit, dem Sommer um die Welt zu folgen. Um dabei vor lauter Surfen und Eimersaufen nicht völlig zu verblöden, stellte ich mich einer Herausforderung: Ich schrieb einen Roman. Wie das geklappt hat, erfährst du in diesem Beitrag.
Keine Lust auf mein Geschwafel? Hier geht’s direkt zu meinem Fazit!
Die Ansprüche flach halten

Eines vorweg: Es war kein leichter Weg. Dreizehn Länder bereiste ich in meinem Jahr um die Welt. Etwa 20.000 km legte ich in Bussen zurück. Über 3.500 km fuhr ich auf dem Fahrrad. Und nebenbei einen Roman zu schreiben, war auch nicht grade ein Spaziergang.

Die Idee trug ich schon lange mit mir herum: Ein Selbstfindungsroman sollte es werden, Coming-of-Age wie man Neudeutsch sagt. Keine autobiographische Schmonzette wie „Eat, Pray, Love“, sondern ein Roman mit Metaebene. Solche Bücher fand ich schon immer klasse.

Ein Mittzwanziger reist durch Mittelamerika, offenbar auf der Flucht vor etwas, das sich in seiner Heimat ereignet hat. Man merkt schnell, dass es mit seiner Reife und Weisheit nicht weit her ist, doch warum er gleich alle Zelte abgebrochen hat, bleibt ungewiss. Während er in Nicaragua auf Menschen trifft, die seine trotzige Sicht der Dinge allmählich ins Wanken bringen, erzählen Rückblicke seine Geschichte.

Eine Geschichte über’s Erwachsenwerden sollte es werden, über die innere Einstellung, über das Glück und die Liebe. Und eine Hommage an die Nullerjahre, denn die Rückblenden sollten gleichermaßen Licht ins Dunkel der Seele des Protagonisten bringen, wie auch eine Liebeserklärung an die Zeitgeschichte und Popkultur von 2000 bis 2010 darstellen.

Mit der schnoddrigen Lethargie eines Herr Lehmann und der tiefgründigen Weltgewandheit eines Homo Faber. Ein Crossover aus Abenteuer und Sinnsuche. Nicht weniger als eine eierlegende Wollmilchsau also. Der Wolpertinger der modernen Literatur. Wenn’s weiter nichts ist.

Jedem Anfang wohnt ein Schweinehund inne

Und genauso, wie ich mich gerade davor drücke, diesen Artikel zu beginnen, verhielt es sich auch mit meinem Buch. Es dauerte fast vier Wochen, bis ich überhaupt anfing. Ich war zunächst durch El Salvador gereist, dann durch Guatemala und Honduras. Ich hatte Ideen ohne Ende, aber keine Zeit, sie aufzuschreiben.

Von wegen! Zeit hatte ich genug, aber ein großer fetter Schweinehund hatte es sich auf meinem kleinen Netbook bequem gemacht, das ich mir extra für dieses Projekt gekauft hatte. Ich kletterte lieber zwischen Wasserfällen in Semuq Champey herum und erforschte die Mayaruinen von Tikal, als dass ich mich mal hingesetzt hätte, um zu arbeiten.

Ich hatte angenommen, ich hätte die gesamte Geschichte bereits im Kopf – wieso konnte ich sie dann nicht zu Papier bringen? Weil, wenn ich ehrlich war, ich gar nichts hatte. Ich hatte einzelne Ereignisse im Kopf, richtungsweisende Schlüsselszenen, eine generelle Entwicklung der Hauptperson. Aber ich wusste nicht einmal, wie meine Geschichte beginnen sollte.

Nach vier Wochen hatte ich dann keine Ausrede mehr: Weil die See zu stürmisch war, um nach Utila überzusetzen, musste ich in La Ceiba an der hondurianischen Küste vier Tage ausharren. Vier Tage lang wartete ich darauf, dass die Fähre auslaufen konnte. Ich grübelte und grübelte, wie ich beginnen konnte.
Und dann wusste ich es. Eine Überfahrt! So und nicht anders!

Freedive
Beim Freediven vor Utila fand ich endlich die innere Ruhe, um mit dem Schreiben zu beginnen.
Der zündende Funke

Das war es! Als Methapher für seinen Neuanfang, für seine Wiedergeburt, findet sich der Protagonist in einer winzigen Nussschalte in den Wellen der karibischen See wieder. Das bekannte Land lässt er hinter sich zurück. Völlig haltlos jagt er über die offene See und nur die hohe Geschwindigkeit des Bootes täuscht ihn darüber hinweg, dass er jegliche Sicht zum Land, jeglichen Halt in seinem Leben, bereits verloren hat. Dann taucht Little Corn Island auf – und damit seine Chance für einen neuen Anfang.

Der Knoten war endlich geplatzt. Auf Utila mietete ich mich in einer Tauchschule ein, bewohnte eines der dazugehörigen Zimmer mit Sicht auf den Pier. Ich begann einen Freedivekurs, Tieftauchen ohne Sauerstoffgerät. Zum langen Luftanhalten half Pranayama, das sind Atemtechniken aus dem Yoga. Die Entspannungsübungen halfen mir, endlich innerlich zur Ruhe zu kommen. Mich nicht mehr so sehr an Details aufzuhängen. Nicht so hart zu mir selbst zu sein, obwohl es ja noch gar nichts zu kritisieren gab. Ich hatte ja noch gar nichts geschrieben. Endlich fand die Geschichte, die ich tief in mir wähnte, ihren Weg nach draußen.

Das erste Kapitel schrieb sich praktisch wie von selbst. Die Inselvibes von Utila waren gut mit der Stimmung auf Little Corn Island zu vergleichen. Die Hauptpersonen machen einen Tauchkurs und sinnieren beim Kiffen über den Zusammenhang der Matrix-Filme und den Sinn des Lebens. Fröhliches Geschwafel über den Determinismus, der seine intellektuelle Bedeutung für den Roman später noch zeigen würde. Der Grundstein war gelegt.

Der Wanderarbeiter

Ich reiste bald weiter nach Panama, wo ich den Weg der Entschleunigung fortführte. Ich hatte begriffen, dass es schwer sein würde, einen Roman zu schreiben, wenn man täglich weiterreiste und eine To-Do-Liste von Sehenswürdigkeiten führte. Daher arbeitete ich ein paar Wochen in einem Surfcamp. Tagsüber surfte ich mit den Kunden, abends schrieb ich an meinem Buch. Die tägliche Arbeit in den Wellen war die perfekte Inspiration für die Kapitel, die in Mittelamerika spielten.

In Panama hielt ich anschließend nur noch an zwei weiteren Orten. So konnte ich tiefer in meine Geschichte eintauchen, wurde nicht durch täglich neue Eindrücke ständig aus meinen Gedanken gerissen. Und ich hatte den Eindruck, dass diese Art zu Reisen ohnehin besser zu mir passte. Klar wollte ich die Länder kennenlernen, die ich bereiste, aber ich hatte nicht mehr den Drang, sämtliche Strände abzuhaken.

Anders verhielt es sich, als ich nach Südamerika flog. Auf diesem Kontinent war ich noch nie gewesen und ich wollte das Beste aus meiner begrenzten Zeit herausholen. Peru allein war so groß, dass ich fast täglich reisen musste, um auch nur einigermaßen ein Gesamtbild des Landes zu bekommen. Hier erwies sich jedoch genau das als Vorteil: Die Größe des Landes.

Häufig verbrachte ich 10 Stunden und mehr in Reisebussen. Wenn möglich fuhr ich über Nacht. Einmal mehr erwies sich mein Netbook als absoluter Glücksgriff, denn es war klein genug, um nicht ständig mit den Ellenbogen in den Sitznachbarn zu fahren, und der Akku hielt lang genug, um auf den Fahrten jederzeit zu arbeiten, wenn mir danach war.

Tagsüber wanderte ich zu Wasserfällen, erkundete Inkaruinen, erforschte Kolonialstädte, saugte mich voll mit Inspiration. Und Abends schrieb ich. Es war eine großartige Art, zu arbeiten. Natürlich war mir bewusst, dass sie noch großartiger wäre, wenn ich eines Tage damit Geld verdiente. Aber man kann ja nicht alles auf einmal haben.

Yoga_Huanchaco
Morgens Yoga, Mittags Surfen, Nachmittags Schreiben. Das Leben kann so schön sein in Huanchaco, Peru.
Learning by Reading

Inspiration für meine Geschichte fand ich auch in anderen Büchen. Ich las alles, was mir in den Büchertauschregalen der Hostels in die Finger kam. Das reichte von „Tom Sawyer“ von Mark Twain über „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera bis hin zu einem 500 Jahre alten Essay von Michel de Montaigne „Über die Freundschaft.“ So kam ich auch endlich auf einen geeigneten Namen für meine Hauptperson.

Thomas musste der junge Mann heißen. In seiner Jugend fühlt er sich Tom Sawyer verbunden und im Studium, nach der Studie von Milan Kunderas Klassiker, streicht er endgültig das „h“ in seinem Namen. Wie Tomás aus Kunderas Geschichte lebt er nun ein schnelles Leben voller Frauen und Frustration. Die Unbekümmertheit der Kindheit ist endgültig verloren. Die Suche nach dem Sinn in seinem Leben wird zu so etwas wie die Suche nach dem „h“ in seinem Namen.

Ich beschloss, die Romane, die mich beim Schreiben beeinflussten, in meine Geschichte einzuweben. Mal durch eine Figur, die Parallelen aufzeigt, mal durch ein entliehenes Zitat, mal durch Schauplätze. Immer versuchte ich, in der Nähe dieser Hommagen den Titel der Inspiration wie beiläufig mit einfließen zu lassen. Insbesondere schweizer Autoren begegneten mir immer wieder in diesen Tauschregalen. So erweiterte ich meine Inspiration von Max Frisch über Friedrich Dürrenmatt bis hin zu Markus Werner.

Jedes Kind braucht einen Namen

Besonders schwer tat ich mich beim Bestimmen von Namen. Die größten Charaktere der Literaturgeschichte hatten auch immer großartige Namen. Phileas Fogg zum Beispiel. Oder Forrest Gump. Meist ein außergewöhnlicher Vorname mit einem knackigen, einprägsamen Nachnamen, oder andersrum.

In meinen Augen war das ein Detail, das eine gute von einer großartigen Geschichte unterschied. Dieses Detail lag mir nicht. Ich wählte daher das Modell, meine Figuren nach Vorbildern zu benennen. Max zum Beispiel, Thomas‘ Reisepartner, ist eine Hommage an Max Frisch. Lea, Thomas‘ beste Freundin, hingegen an Star Wars. Dadurch boten sich Neckereien mit „Prinzessin“ an.

Den Hund nannte ich Karenin, weil er wie in „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ ein Symbol für eine zum Scheitern verurteilte Liebe wird. Andere Figuren versuchte ich so zu benennen, dass ihre Namen zu ihrem Charakter passten. Mark für den wilden Draufgänger. Heinrich für den familiären Typ.

Schreiben lernen, ganz von Anfang

In Neuseeland kaufte ich mir ein Fahrrad und reiste per Velo durch Land. Ich wohnte im Zelt, kochte mein Essen selbst und schrieb fortan von Hand. Das hatte ich lange nicht mehr gemacht. Ich bekam Krämpfe nach wenigen Seiten.

Der Nachteils, so zu arbeiten, lag auf der Hand, um nicht zu sagen: AN der Hand. Ich hatte keinen Radiergummi. Keine Zurücktaste. Was ich geschrieben hatte, war festgenagelt. Bis ich sämtliche Zeilen zweimal durchgestrichen und neu geschrieben hatte. Kurz gesagt: Es wurde nicht leichter.

Seit der Schulzeit hatte ich nichts mehr von Hand geschrieben. Diese Tatsache machte mich ein wenig traurig, half mir bei meinem täglichen Krampf aber auch nicht weiter. Ich musste einsehen, dass ich nur vorankam, wenn ich weniger perfektionistisch war. Den Feinschliff musste ich dann eben später machen, wenn ich das Geschriebene auf das Netbook übertrug.

Als es Herbst wurde und die Abende zu kühl, um lange draußen zu sitzen, beschränkte ich mich immer mehr darauf, lediglich meine Gedanken festzuhalten. Mein Zelt war so klein, dass ich mich kaum darin umdrehen konnte, geschweige denn aufrecht sitzen. Und mein spärliches Licht bezog ich aus einer winzigen LED, die ich tagsüber mit einem fast ebenso winzigen Solarpanel auflud.

Anstatt viel zu schreiben, plante ich daher die einzelnen Kapitel im Detail und erstellte mir einen exakten Plan, wo ich mit meiner Geschichte hinwollte und wie ich das umsetzen konnte. Das war großartig, endlich konnte ich den Roman als Ganzes vor mir sehen.

Essen während der Arbeit

Ein großer Vorteil des Schreibens auf Reisen war, dass ich mich nicht um mein Essen kümmern musste. Das galt zumindest für meine Art zu Reisen, indem ich günstige Länder bevorzugte, dafür aber fast sämtliche Mahlzeiten in Restaurants zu mir nahm. Häufig nahm ich das Netbook sogar mit und schrieb, während ich auf das Essen wartete. Je schlechter die Internetverbindung in den Restaurants war, umso geringer war meine Ablenkung. Optimal.

In Neuseeland bemerkte ich diesen Vorteil, indem ich ihn nicht mehr hatte. Morgens und abends benötigte ich jeweils über eine Stunde um mein Lager aufzuschlagen bzw. abzubauen und zu kochen. Tagsüber musste ich einkaufen, wenn ich mal eine Stadt passierte, und beschränkte mich ansonsten darauf, mir ein paar Peanutbutter-Jelly-Sandwiches zu schmieren. Für eine Pause zum Schreiben blieb dabei jedoch eigentlich niemals Zeit.

Ich hatte mir mein Fahrradabenteuer so vorgestellt, dass ich einfach anhalten würde, wenn mich die Muse überkam. Ich wollte mich einfach auf die nächste Bank setzen und schreiben. Doch dieser Plan erwies sich ebenso als romantischer Unsinn, wie die Vorstellung, morgens erstmal eine Stunde Yoga zu machen. In der Realität war ich damit beschäftigt, Fahrrad zu fahren. 3500 km kamen leider nicht von alleine auf den Tacho.

Neuseeland_Radwandern_Schlafplatz
In Neuseeland beschränkte ich mich bald darauf, die einzelnen Kapitel des Romans zu planen. Das Zelt war zu klein, um darin zu schreiben.
Von der Hängematte ins Bett und zurück

Nach einem halben Jahr war ich schließlich in Südostasien angelangt. In Thailand lief mir die unvermeidliche Geschichte von The Beach über den Weg. Den Film kannte ich schon, aber die Romanvorlage war mir neu. Ich war so begeistert, dass ich sie einbauen musste. Insbesondere wegen ein paar offensichtlichen Parallelen:

Beinahe die Hälfte meiner Geschichte spielte bereits auf einsamen Inseln. Und ebenso wie Alex Garland war es mir ein Anliegen, die Charaktere mit einer solchen Tiefe zu gestalten, dass ihr teilweise fatalistisches Handeln plausibel erscheint. Ich las also alles, was ich bis dahin hatte – das war allenfalls ein halber Roman – nochmals durch und baute die eine oder andere Referenz mit ein.

Auf Bali ließ ich das Netbook mal für fast einen Monat komplett in der Tasche. Musste auch mal sein. Vorsichtshalber hatte ich mir angewöhnt, sobald ich Internet hatte, meinen aktuellen Stand online zu sichern. So konnte ich guten Gewissens auch mal vergessen, wo dieser aktueller Stand grade war.

Surfen_Uluwatu
Auf Bali ließ ich das Netbook mal tief unten im Rucksack und lud meine Batterien beim Surfen wieder auf.

Weil mir in Südostasien zu viele eimersaufende Teenager waren – komisch, wollte ich nicht urspünglich auch saufen und feiern auf dieser Reise? – reiste ich weiter nach Nepal. Mir gefiel die rustikale Art des Landes. Nach einem Reisetag im Vorgebirge des Himalaya benötigte man eine Woche Pause zur Erholung. In einer solchen Pause nistete ich mich in einem kleinen Städtchen namens Tansen ein. Hier befiel mich ein regelrechter Schreibflash.

War ich zuvor noch wenigstens bis zur Hängematte zum Schreiben gegangen, blieb ich hier teilweise den gesamten Tag im Bett. Der Roman war zu zwei Dritteln fertig und inzwischen hatte ich das Ziel klar vor Augen. Das gesamte letzte Drittel schrieb ich in zweimal zwei Wochen. Dazwischen besuchte mich ein Freund und wir wanderten gemeinsam um das Annapurna-Massiv. Wie schon zuvor auf Bali war diese Pause wichtig, um meine Batterien wieder aufzuladen.

Tansen_Nepal_Penthouse
In Nepal mietete ich ein kleines Zimmer auf einem Flachdach. Hier befiel mich ein regelrechter Schreibflash.

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Im zehnten Monat sollst du ruhn

Ein solcher Luxus, das wurde mir klar, wäre mir zu Hause niemals vergönnt gewesen. Ich hatte alle Zeit der Welt und konnte wählen, wann ich schrieb und wann ich etwas anderes tat. Und dadurch wurde ich produktiver als ich es jemals zu Hause gewesen wäre.

Nach neun Monaten war ich endlich fertig. Ich kaufte mir eine Gitarre, reiste von Hängematte zu Hängematte und brachte mir das Spielen bei. Ich brauchte mal dringend Abstand zu diesem Mammutprojekt und Gitarre spielen war nun genau das Richtige. Als Schüler hatte ich ganz gute Noten für meine Aufsätze bekommen – bildete ich mir wirklich ein, deswegen das Zeug zum Schriftsteller zu haben? Lächerlich.

Laos_Mekong_Gitarre
Nach neun Monaten war der Roman endlich fertig. Am Ufer des Mekong ließ ich die Seele baumeln und lernte Gitarre spielen.

Ich reiste durch den Norden Thailands, durch Laos und Kambodscha. Als ich die Inhalte meiner Kapitel endlich nicht mehr auswendig konnte und dieser bescheuerte F-Akkord immer noch nicht klappen wollte, las ich meinen Roman nochmal. Und ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

Ende gut, alles schlecht

Mir gefiel die Geschichte. Nein, ich liebte die Geschichte. Ich war restlos von ihr überzeugt. Auch die Inhalte der einzelnen Kapitel fand ich gelungen. Die Längen der Kapitel, die zeitlichen Abstände der Rückblicke, die Einbettung in die Zeitgeschichte und die Popkultur.

Aber irgendetwas passte noch nicht. Sprachlich war es an vielen Stellen holprig. Ich verwendete komplizierte Schachtelsätze. Ich erzwang Methaphern wo sie nicht angebracht waren. Gelegentlich hinkte die Logik. Alles in allem war es gewollt und nicht gekonnt. Ich musste mir eingestehen, dass ein Roman doch nochmal eine andere Liga war als ein Schüleraufsatz.

Dann die Erleichterung: In der zweiten Hälfte wurde es besser. Insbesondere das letzte Drittel, das ich in Nepal in einem Rutsch geschrieben hatte, gefiel mir richtig gut. Hier wurde es zu dem Roman, den ich schreibe wollte. Hier wurde es zu meinem eigenen Lieblingsbuch. Ich verschlang es, als hätte ich es noch nie gelesen. Ein gutes Zeichen.

Aber natürlich konnte ich von keinem Leser erwarten, ein Buch zu lesen, das erst nach zwei Dritteln richtig an Fahrt aufnahm. Da würde ich zu Hause nochmal drüber gehen müssen, beschloss ich. Hier und da war doch noch eine Nachbesserung erforderlich. Ich konnte ja nicht ahnen, dass es vier Jahre dauern würde, bis ich endlich restlos überzeugt von meinem eigenen Werk war. Aber das erzähle ich dir ein andermal.

Mein Fazit

Schreiben auf Reisen funktioniert genauso gut wie überall sonst. Wichtig ist nur, dass man sich klarmacht, unter welchen Umständen man am produktivsten arbeitet. Im Zweifelsfall probiert man es einfach aus.

In jedem Fall sollte man sich genug Zeit zum schreiben zugestehen. Wenn du jede Sehenswürdigkeit mitnehmen willst, wird es nicht klappen. Wenn du jede Party mitnehmen willst schon gar nicht.

Aber die neuen Eindrücke, die man auf Reisen gewinnt, können die eigene Inspiration geradezu beflügeln. Vielleicht nicht grade, wenn man einen Roman über die Industrielle Revolution im ausgehenden 18. Jahrhundert schreibt. Aber wenn er zum Teil in Panama spielt, ist die Hängematte in Santa Catalina kein schlechter Arbeitsplatz.

Wichtig ist vor allen Dingen, dass man ein für sich geeignetes Medium findet. Das Netbook fand ich optimal, da es klein und leicht ist, aber im Gegensatz zu Tablets über eine Tastatur verfügt. Hauptsache der Akku hält lang, dann können dir auch die täglichen Stromausfälle in Ländern wie Nepal nichts anhaben.

Einen weiteren Vorteil sah ich schnell darin, dass ich zeitlich völlig flexibel war. Ich kann mir nur schwer vorstellen, morgens um 9 Uhr pünklich kreativ zu sein und Abends um 17 Uhr grade in der Stimmung, den Computer auszuschalten. Wenn es läuft, dann läuft es halt. Das kann man nicht erzwingen. Manchmal schrieb ich die halbe Nacht durch, manchmal tagelang nicht. Perfekt, wenn man alle Zeit der Welt hat aber genug neue Eindrücke, um sich auch mal abzulenken.

Das Beste kommt zum Schluss

Das Beste von allem aber war, dass einem der Alltag nicht in die Quere kommt. Kein Job. Keine Einkäufe. Kein Essen kochen. Und vor allen Dingen: Keine Ablenkung durchs Internet. Daher war es besonders hilfreich, wenn in der Nähe meines Arbeitsplatzes kein Internet zur Verfügung stand und sich dieser Arbeitsplatz in einem Restaurant befand. Dazu noch ein Cuba Libra – und fertig ist das Buch!

Du bist selbst Reiseblogger, reisender Autor oder sonst in irgendeiner Weise Travelling Freelancer? Ich bin auf deine Erfahrungen gespannt! Schreibe einen Kommentar oder verlinke gerne auch deinen Artikel, falls du dir zu dem Thema „Schreiben auf Reisen“ oder „Arbeiten auf Reisen“ schonmal Gedanken gemacht hast!



Na, neugierig geworden? Dir gefällt meine Art zu schreiben? Dir gefallen die Themen, über die ich schreibe? Dann könnte mein Roman „Weg Wollen“ etwas für dich sein. Folge einfach dem nebenstehenden Bild direkt zu Amazon. Weitere Informationen zu seiner Veröffentlichung, Rezensionen, weitere Bezugsquellen und mehr findest du in der Rubrik „Bücher“ beim Thema „Weg Wollen“. Weitere Buchtipps findest du in derselben Rubrik beim Thema „Buchtipps“

Von der Herausforderung, auf Reisen einen Roman zu schreiben

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