„Weg Wollen“ ist ein humorvoller und nachdenklicher Roman über einen Mittzwanziger auf der Suche nach der richtigen Einstellung. Perfekt für alle Träumer, Sinnsucher und Fans von Mittelamerika. Lies hier den Beginn des ersten Kapitels!

Little Paradise

Freitag, 24. Februar 2010

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Gischt spritzte ihm ins Gesicht, als sie erneut über einen Wellenkamm schossen und im nächsten Tal aufklatschten. Es schmeckte salzig, wie es sich gehörte, und es schmeckte nach Abenteuer. Seine Finger krallten sich in die Rückenlehne vor ihm, dann in die Reling zu seiner rechten, denn die Lehne war schon viel zu lose. Zu viele Reisende, Fliehende, Suchende hatten sich schon an ihr festgeklammert. Hätte man sich doch hinten hingesetzt, wo man nicht bei jeder kleinen Welle in den Himmel schoss, dachte er kurz.

Oder doch nicht, korrigierte er sich, denn dafür war man ja schließlich hier. Das Herz sprang nach oben, als das Boot erneut nach unten fiel, ihm ein Schwall Wasser ins Gesicht klatschte, ihn für einige Sekunden blind machte. Die halblangen Haare klebten ihm vor den Augen, der Mund darunter war weit geöffnet, halb panisch, halb lachend. Das Gefühl von Gefahr, der Tod, das Leben! Wie Achterbahnfahren ohne Sicherheitsbügel.

Wie hundert kam es ihm vor, hundertzwanzig! Lächerlich, so schnell konnte das alte Ding unmöglich fahren, dachte Tomas, aber wer zu schnell unterwegs war, riskierte eben falsches Urteilsvermögen. Diese Erkenntnis lauerte im Unbewussten, zum Sprung bereit, doch er sah sie noch nicht kommen.

Trotzdem wunderte es ihn, wie der Captain – oder wie man das nennen mochte auf so einer Zwanzigmannbarkasse, zumal ihm Captain eine völlig unangemessene Bezeichnung schien für jemanden, der keine Schuhe trug – umso mehr wunderte es ihn, wie dieser karibisch-dunkelhäutige Mulatte in völliger Ruhe hinten auf dem Heck stehen konnte. Wie er Zigarette rauchte als wäre es das Normalste der Welt, sich mit einer Hand am Fahnenmast festhaltend und mit einem nackten Fuß das Boot lenkend, während keine fünf Meter vor ihm Tomas‘ Fingerknöchel weiß hervortraten. Völlige Gleichmäßigkeit hinten am Motor, während der Bug mit jeder Welle der Schwerkraft den Finger zeigte. Und doch war es ein und dasselbe Boot. Wenn man nur wüsste, wo beim Mensch der Motor saß, dachte Tomas.

Überhaupt, hinten: Das Festland war verschwunden, wenn man überhaupt von Festland sprechen wollte, die Insel, Big Corn Island, die gerade groß genug war um eine ordentliche Landebahn unterzubringen. Und was hieß schon ordentlich, dachte Tomas, wenn man vor der Landung der Einpropellermaschine erst mal die Kühe von der Landebahn treiben musste.

Erneut schossen sie über einen Wellenkamm. Der Motor heulte auf, als die Schiffsschraube für einen Sekundenbruchteil aus dem Wasser tauchte. Tomas‘ Schwimmweste sprang ihm ins Gesicht, dieses verfaulte alte Ding. Es schmeckte scheußlich, nach vermodertem Styropor und Plastik, aber immerhin gab es welche. Kein Land in Sicht nach vorne, dachte er, als sie aufschlugen und er sich dabei auf die Zunge biss.

So jagten sie über die Wellen, von einer Insel zur anderen, siebzig Kilometer vor der nicaraguanischen Küste, und Tomas hoffte, er würde keinen Hörschaden davontragen, von dem Wind der um sie pfiff, und dass er morgen noch würde sitzen können, wo man hier ständig auf und ab geschleudert wurde. Das war alles, was im Augenblick zählte. Das war sein Kosmos, nur er und vielleicht zehn andere und dann dieser barfüßige Captain am Heck der Barkasse. Der Captain, den er insgeheim beneidete, wie er da stand und rauchte, ein Fuß am Ruder. Die Harmonie von Mensch und Maschine, von Geist und Antrieb. Was zählte war, irgendwann wieder Land zu finden und dann womöglich noch im Besitz seines Rucksacks zu sein, der da zu den Füßen des Captains ziemlich unsicher, wie Tomas fand, herumrutschte, und dann vielleicht ein kühles Bier. Keinen Gedanken verschwendete er in diesem Augenblick an Zuhause, an Julia, an Marie.

Freiheit!

Wie hatten sie ihn verfolgt in den letzten Wochen. Wie weggeblasen waren die dunklen Gedanken, seit er einen Fuß in dieses Boot gesetzt hatte. An diesem Ort zwischen Vergangenheit und Zukunft begann es von vorn. Das beschloss er hier und jetzt, denn wann konnte es einen besseren Augenblick für eine Wiedergeburt geben?

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Jemand – es musste Toni gewesen sein – gab ihm einen Hieb auf die Schulter. Er sah ihn mit aufgerissenen Augen an und gestikulierte wild nach vorne und hinten, irgendetwas in den Wind brüllend. Ihm war wohl auch aufgefallen, dass kein Land mehr in Sicht war, dass sie in einer verfluchten Zwanzigmannbarkasse über das Meer jagten, irgendwo in der Karibik, und der Captain stand seelenruhig auf dem Heck und rauchte hoffentlich nur Tabak. Der beleibte Hüne krallte sich in die Vorderbank. Er hatte in der Mitte keine feste Seitenwand, dabei brauchte er nichts mehr als das. Ihm blieb nur diese Lehne, die jederzeit drohte, in zwei Hälften zu brechen.

„Duuuu-uuuu-uuude“, brüllte es hinter ihm und dann etwas, was Tomas als „What a hell of a ride!“ interpretierte. Der Fahrtwind schluckte das meiste, ehe es zu seinem Ohr dringen konnte. Matt, sein zweiter Reisefreund, hielt sich an der Reling am anderen Ende der Bank fest, panische Freude in seiner Stimme, Tendenz zum ersten. Die glatte Sitzbank, auf der er umher schlingerte, dazu seine Rastas, die ihm – klatschnass wie sie waren – nach jedem Wellenkamm eine Ohrfeige verpassten.

Wieder schossen sie über eine Welle. Synchron hoben sich ihre Hintern von der Bank, drei Schreie im Sturm. Matt und Tomas bremsten ihren Aufstieg mit blutleeren Fingern in der Reling, Toni fand kein Mittel gegen die Physik. Wild rudernd folgte er der Parabel des Falls. Einen Augenblick später würde er unsanft auf dem Boden landen.

Nur fünf Reihen hinter ihnen saß ein Pärchen in den Dreißigern, stirnrunzelnd über die jungen Wilden am Bug, sich selig anschmachtend in den ruhigeren Fahrwassern des Heckmotors. Da wollte er eh nicht sein, dachte Tomas trotzig, da würde er niemals sein wollen.

Dann plötzlich sah er die Wolke am Horizont. Wolken hängen meist über Inseln, schoss es ihm in den Sinn, und kurz darauf tauchte Land auf. Das musste Little Corn sein! Der Captain verstand offenbar doch sein Handwerk, oder besser Fußwerk, dachte er beglückt. Toni jauchzte und versuchte, die Schirmmütze schwenkend, aufzustehen. Er bereute es, als sie im nächsten Wellental aufklatschten, denn vor Schreck über den Aufprall ließ er die Mütze fahren. Sie verfehlte den barfüßigen Mulatten nur knapp und verschwand auf ewig in den Fluten. Der englische Fluch mit vier Buchstaben war von seinen Lippen abzulesen, sein Gesicht schmerzverzerrt. Er war mit Wucht auf dem Steiß gelandet. Hätte er nur geahnt, dass der eigentliche Fall noch bevorstand!

Der Captain nahm Fahrt raus, als das Land größer wurde, und das Meer beruhigte sich, je näher sie kamen. Little Corn Island lag vor ihnen und zeigte ihre Breitseite, keine drei Kilometer lang. Erste Boote waren zu erkennen, ein Katamaran lag vor Anker, kleine Fischerjollen am Ufer. Ein paar Häuser versteckten sich zwischen den Palmen, schimmerten wie weiße Kleckse in der Abendsonne. Im Norden der Insel thronte eine Erhebung mit einem Turm oder einem Sendemast. Im Süden verlief die Küste flach, verziert mit Strand, der kitschig leuchtete. Tomas musterte das Ziel seiner Reise kritisch, als sie sich näherten.

Das Boot tuckerte nun mit Schrittgeschwindigkeit. Der Fahrtwind klang allmählich ab, die Ohren blieben dennoch taub. Er blickte nach hinten, am Kapitän vorbei, und suchte nach den Wogen, denen sie bis vor Sekunden getrotzt hatten. Aus der Sicherheit der Bucht wirkte das Meer einladend verspielt. Dass er eben noch in ekstatischer Erregung mit dem Leben gekämpft hatte, erschien ihm schon jetzt völlig unglaubhaft. Manches muss man wohl selbst erlebt haben, dachte er. Diese Geschichte würde einem eh niemand glauben, wenn man sie nur niederschrieb. Er drehte sich wieder nach vorn und erkannte Leben am Ufer. Menschen, die Sachen umhertrugen. Menschen, die Netzte aus Booten luden. Menschen, die unter Palmen entspannten. Dann sah er den Bootsanleger – sie wurden offenbar erwartet.

„Weg Wollen“ spielt zu großen Teilen in der Karibik und Mittelamerika. Die perfekte Reiselektüre für alle Träumer und Sinnsucher.

Weiße Hände an schwarzen Armen stießen Löcher in die Luft. Weiße Zähne in schwarzen Gesichtern brüllten durcheinander. Kinder und Jugendliche am Pier drängten zum Boot, griffen nach Schultern, nach Taschen und Koffern, kaum dass sie angelegt hatten. Wer lauter rief, hatte Recht, wer schneller zugriff, gewann. Wie durch einen Schleier drang ihr Geschrei zu Tomas. Es wurde die Hölle im Paradies versteckt, dachte er. Tomas raffte sich auf, taub von der Fahrt, stieg über die Bänke nach hinten. Die Hektik war ansteckend, jeder hatte es plötzlich eilig.

Auch der Captain rief irgendetwas in die Menge, schon wieder bereit, die Leinen zu lösen. Das Pärchen vom Heckmotor, offenbar Amerikaner, ließ Tomas hinter sich. Auch sie waren noch ein wenig unsicher, da ging es ihnen nicht besser als den Alleinreisenden. Sie versuchten sich aneinander hochzuziehen, oder drückten sie sich gegenseitig runter? Tomas zog seinen Rucksack aus dem Stapel, schob sich nach Backbord, zum Pier.

„Hey!“, rief Tomas. Ein paar schwarzweiße Hände griffen nach seinem Gepäck, zogen es an Land, verschwanden im Gewusel. Tomas sprang hinterher.
„What the!“ Tomas konnte sich kaum bremsen. Ein Goldzahn lachte ihn verlegen an, hielt seinen Rucksack schützend vor sich.
„Gimme my bag!“, schob Tomas hinterher.

„Relax Dude.“ Matt stieg von Bord und schüttelte seine Rastas. „Der will doch nur helfen.“

„Der will nur Geld!“

Unbeeindruckt vom Gewusel streckte sich Matt wie nach einem erholsamen Schlaf. „Das kannst du eh nicht verhindern, entspann dich. Wir sind schließlich im Urlaub.“


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„No, no money.“ Der Schwarze winkte ab. Was für ein Bass. Was für ein Kontrast zu seinem kindlichen Äußeren. Er sprach breites Kreolisch. „Kommt mit mir, y’all, ich will kein Geld.“

Dann vermutlich sein Onkel, zu dem er uns gleich führen wird, dachte Tomas. Er schnaufte verunsichert. An festen Boden unter den Füßen würde er sich erst wieder gewöhnen müssen.

„Hey, helft mir mal!“ Toni hatte Mühe seinen massigen Körper aus dem Boot zu wuchten, nicht zuletzt, weil Matt ihm den Zugang zum Pier versperrte. Die umherwuselnden Kinder ignorierten seinen hochgestreckten Rucksack. Es war nun offenbar Goldzahns Aufgabe, ihm zur Hand zu gehen, durch den Griff nach Tomas‘ Rucksack hatte er sich automatisch zum Führer ihrer kleinen Gruppe erkoren. Die übrigen buhlten um die Gunst des amerikanischen Pärchens. Umständlich versuchte dieses soeben, ihre Rollkoffer von Bord zu hieven.

„Was ist los, kannst du deinen dicken Hintern nicht selbst hochziehen?“ Matt lachte scheckig.

„Ich hab mir mein Steißbein geprellt und meine Mütze ist weg, also hilf mir gefälligst hier raus, sonst geb ich dir eine.“

„Wie willst du das tun, wenn du da unten bist?“ Matt streckte ihm dennoch eine Hand entgegen. „Schon gut, Fettie, ich helfe dir rauf.“

Goldzahn sprang hinzu und griff nach dem Rucksack. „Kommt mit mir, ich will kein Geld, ich führe euch wohin ihr wollt.“

Entspann dich, dachte Tomas. Matt hatte ja Recht. Er war schließlich im Urlaub. Aber so recht konnte ihn dieses Mantra nicht überzeugen. War er wirklich hier, um Urlaub zu machen? Wenn nein, warum dann? Den Gedanken zu Ende zu führen, erfüllte ihn mit Unbehagen. Er beschloss, ihn lieber weit von sich zu halten. Er war im Urlaub, und fertig.

Das Pärchen zog sich gleichzeitig auf den Steg. Doch was vorne rein ging, musste hinten wieder raus. Ein Wabern ging durch den Blob, beinahe fielen drüben ein paar Kinder ins Wasser. Der Captain machte die Leinen los und verschwand, und weg war die Pufferzone zur Rechten. Tomas schob sich tiefer ins Getümmel. Erst mal Durchatmen.

„Ich will kein Geld!“

„Jaja, schon gut! Lasst uns erst mal vom Steg runter.“ Auf diesen kaum mannslangen Holzplanken befanden sich eindeutig zu viele Menschen für Tomas‘ Geschmack.

„Meine Mütze ist weg!“, bekräftige Toni seine Anklage an das Universum. „Die hatte ich grade erst gekauft!“

„Halt die Klappe, Dude, die hast du für drei Dollar vom Markt in Managua.“ Matt schüttelte die Rastas wie ein nasser Hund.

Es war nun wirklich an der Zeit vom Steg zu gehen, fand Tomas. Die Masse erdrückte ihn, es war kaum Platz zum Atmen, er verstand nicht wie seine beiden neuen Freunde einfach… He, was war das? Jemand tippte ihm auf die Schulter, zum wiederholten Male, erst jetzt nahm er es wahr.

„Hättet ihr vielleicht Lust zu tauchen?“ Hellrote Haare leuchteten ihm ins Gesicht. Hoffnungsvolle grüne Augen und Sommersprossen funkelten ihn an. Ein Lichtblick, dachte Tomas. Ein Engel in der Hölle.

„Hal-lo.“ Die zweite Silbe streckte sich quasi von allein. Er konnte gar nichts dagegen tun. Das, was er zu unterlassen hätte geloben sollen, war längst zum Automatismus geworden.

Die junge Frau fasste sich so schnell wie sie verlegen wurde und reichte ihm eine Broschüre.
„Vielleicht wollt ihr ja auch einen Kurs machen? Der Open Water Schein dauert vier Tage.“

„Tom“, sagte Tomas und fixierte ihre Augen. Diese Augen ließen ihn schon jetzt nicht mehr los. Ein Teil in ihm schlug Alarm. Nicht schon wieder! piepste eine kleine Stimme aus dem Vernunftzentrum. Halt die Klappe! rief aber sein Motor. Wenn es läuft, dann läuft es!

„Ich bin Tom“, wiederholte Tomas. „Und die Clowns hinter mir heißen Matt und Toni. Und wie ist dein Name?“

Noch nicht genug? Eine Woche später, zurück am Festland, trifft Tomas auf Max, einen ebenso erfolglosen wie verwahrlosten Schriftsteller. Lies hier von ihrer ersten Begegnung!


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Leseprobe: „Weg Wollen“ – Teil 1

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3 Gedanken zu „Leseprobe: „Weg Wollen“ – Teil 1

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