Die Gibbon Experience ist ein soziales, tourismusbasiertes Umweltprojekt im Norden von Laos. Um der illegalen Abforstung entgegenzuwirken, überzeugte ein Aktivist im Jahr 1996 die Einheimischen, den Wald lieber touristisch zu nutzen und zu konservieren, als ihn zu vernichten. Gemeinsam mit dem Wissen der Locals über den Wald errichteten sie Baumhäuser und verbanden sie und die umliegenden Hügel durch Ziplines miteinander.

Der Besuch macht einen Heidenspaß – und man tut dabei etwas Gutes für die Umwelt.

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It’s a jungle out there

„Eine Schlange!“, rufen die drei jungen Damen aufgeregt, als sie uns entgegengeeilt kommen. „Da war eine Schlange! Sie ist einfach so vom Baum gefallen! Cheryl direkt auf die Schultern!“ Sie schnattern panisch durcheinander, als wäre die Schlange noch immer dort.

„Groß?“, fragt Tony amüsiert.

„Bestimmt fünf Fuß und armdick!“ behauptet eine der Frauen. Sie stammen aus Australien, wie man am Akzent unschwer erkennt, und sie kehren soeben, nach drei Tagen und zwei Nächten, aus dem Wald zurück ins Dorf. Ihr Guide kommt hinzu. Er ist den Damen entspannt gefolgt und kann die ganze Aufregung offensichtlich nicht verstehen.

„It’s a jungle out there“, sagt er schulterzuckend.

Tony lacht sich kaputt. Ich auch, klinge dabei aber vermutlich nicht ganz so überzeugend. Judith, die dritte von unserer Gruppe, macht ein Gesicht, als fragte sie sich, worauf sie sich da eigentlich eingelassen hat.

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Tony beeindruckt die Kids aus dem Dorf mit seinen Gitarrenkünsten.
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Judith zeigt den Kindern, wie man Jenga spielt.

Die Gibbon Experience

Wir sind alle drei erst gestern von Thailand nach Laos übergesetzt. In Chiang Khong (in Thailand) bestiegen wir ein Long Tail Boot, dass uns über die Grenze brachte, den ebenso breiten wie schlammigen Mekong, hinüber nach Huay Xai (in Laos). Ein Besuch bei der Bank machte mich zum Millionär, doch das Geld gedachte ich nicht lange zu behalten – nur ein paar Meter nördlich vom Anlegesteg legte ich das Zentimeterdicke Bündel Scheine auf den Tisch der Gibbon Experience. Judith hatte ich schon vor der Grenze getroffen und Tony hatte eben erst auf gut Glück hier hereingeschaut. Voilà – die Gruppe für den nächsten Morgen war komplett.

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Zum Grenzübergang nach Huay Xai in Laos überquert man den Mekong per Boot…
Laos-Huayxai-Geld
… und wird nach dem ersten Bankbesuch zum Millionär!

Die Fahrt in den Nam Kan Nationalpark dauerte nicht lange, kam mir allerdings so vor. Eine Weile ging es entlang des neuen Highways, dann holperten wir im Laderaum eines Vierradantriebs über eine Erdpiste in ein entlegenes Dorf. Zuckerrohrfelder bestimmten das Landschaftsbild – und genau deshalb existiert das Ziel unserer Expedition überhaupt.

Die tropischen Hölzer bringen den Einheimischen gute Erlöse, und die gerodeten Flächen sind fruchtbar. Die Abholzung war zwar schon lange illegal, doch wie soll man das den armen Dorfbewohnern vermitteln, die darin ihren einzigen Lebensunterhalt sehen? Indem man ihnen eine Alternative bietet, sagte sich 1996 ein Aktivist, und überzeugte sie, in ihrem Wald einen umweltfreundlichen Tourismus hochzuziehen. Den werde ich nun – nicht ganz selbstlos – mal näher in Augenschein nehmen. Vor lauter Vorfreude komme ich aus dem Grinsen schon gar nicht mehr raus.

Der Dschungel und seine Tücken

Es scheint Nebensaison zu sein, davon zeugt nicht nur unsere kleine Gruppe, sondern auch der knöcheltiefe Schlamm an vielen Orten des Wegs. Tony läuft schmerzfrei mitten durch, dabei rutscht er fast aus und verliert seine Ukulele. Die Schmerzen kommen aber bald, denn er lernt auf die harte Tour, dass Sandalen kein geignetes Schuhwerk für den Dschungel sind.

Laos-Gibbon-Experience-Dorf-Fluss
Auf geht’s in den Dschungel!
Laos-Gibbon-Experience-Dorf-Blutegel
Bald offenbaren sich die Tücken des offenen Schuhwerks. Blutegel!

Blutegel. Haben sie sich erstmal festgebissen, lassen sie so schnell nicht mehr los. Schlimmer noch, die offene Wunde zieht Artgenossen wie Magneten aus dem Dreck und schnell hängen drei oder vier an den Bissstellen. Soll ja gesund sein. Schön aussehen tut’s aber nicht.

Nach einer Stunde erreichen wir einen kleinen Unterstand. Eine Karte zeigt die nun folgenden Täler und die Lage der Baumhäuser. Unser Guide, ein Laote aus dem Dorf, der kaum ein Wort Englisch spricht, reicht uns unser Geschirr. Die Einführung ist denkbar simpel. Es gibt zwei Seile am Geschirr. Das eine hängt an einem Sicherungskarabiner, das zweite an einer Laufkatze, die man auf das Stahlseil legt. Gebremst wird mit einem Stück Fahrradmantel, den man bei Bedarf gegen das Seil presst. Klingt einfach? Dann kann’s ja losgehen!

Der Jungfernflug

Gestern Nacht habe ich von der kleinen Seilrutsche geträumt, die auf dem Spielplatz meiner Kindheit. Stundenlang konnte ich mich auf den Teller schwingen, mit so viel Anlauf wie möglich, und einen Meter über den Waldboden mit locker zwanzig Stundenkilometern sagenhafte fünfzehn Meter zurücklegen – was haben meine Augen damals geleuchtet.

Laos-Gibbon-Experience-Zipline-Geschirr
An einem gewöhnlichen Klettergurt hängt eine Sicherung und eine Laufkatze. Drückt man von oben auf die Laufkatze, bremst man mit Hilfe des Fahrradmantels.

So ungefähr stelle ich mir Ziplining vor – nur halt für große Jungs. Aufgeregt klinke ich mein Geschirr ein, lasse mir von Guide nochmal die optimale Handhaltung erklären, und nehme Anlauf. Ich renne, bis meine Füße den Kontakt verlieren, schon hänge ich im Geschirr und gleite über den Waldboden. Wie damals, nur dass es immer schneller wird, und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, der Boden entfernt sich immer weiter, die Bäume und Blätter um mich herum verschwimmen zu einem grünen Tunnel. Und plötzlich fliege ich durch die Luft.

Die Bäume weichen einem Abgrund, ein Tal tut sich unter mir auf, schon bin ich zehn Meter in der Luft, zwanzig, dreißig! Ich fliiiiiiegeeeee! Wie im Rausch überquere ich einen halben Kilometer in null komma nichts. Was war grade passiert? Kann sein, dass um mich herum eine Aussicht war, auf jeden Fall war in jede Richtung verdammt viel Luft. Meine Augen leuchten wie damals mit sechs Jahren, als Tony und Judith mir nachfolgen, ich bin komplett geflasht, ich will noch mehr. Kann ich noch mal?

Baumhaus über Baumhaus

Ich musss sogar, denn die gesamte Gegend ist mit Ziplines durchzogen, viele Kilometer feste Drahtseile verbinden die umliegenden Hügel. Eine Wanderung von einer halben Stunde wird so in wenigen Sekunden abgekürzt. Es ist die beste Abkürzung meines Lebens! An einer Stelle ist das Tal so weit, dass auf einem Urwaldriesen in der Mitte eine kleine Zwischenplattform errichtet wurde. Auf schmalen, aber stabilen Brettern kann man sich beim Umhängen schonmal an das gewöhnen, was uns kurz darauf erwartet.

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Hier wird Handwerk zu Kunstwerk. Die Baumhäuser sind riesig…
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… und nutzen die Räume, die sich bieten, zu spektakulären Konstruktionen.

Als Kind, so ungefähr in dem Alter, als die Seilrutsche langsam uncool wurde, habe ich mit Freunden mal ein Baumhaus gebaut. Schön sah das nicht aus, aber es hat uns getragen. Viel mehr habe ich heute ehrlich gesagt nicht erwartet, immerhin wurde das von den Einheimischen gebaut, und was verstehen die schon von Zimmermannskunst?

Offenbar ziemlich viel, stelle ich fest, und schiebe meine Kinnlade wieder hoch, als ich das erste Baumhaus erspähe. Das ist ein echtes Haus! Zwar ohne Wände, aber dafür mit mehr Etagen als jedes beliebige Landhaus in Laos. Und das Dach ist mit dicken Bündeln aus Palmwedeln abgedichtet, Wände wären in diesern Hitze ohnehin überflüssig. Kein Geländer wackelt, kein Leitertritt ist lose. Das ist Wertarbeit vom Allerfeinsten!

Wir beziehen das dritte oder vierte Haus, das wir besuchen. Es ist vergleichsweise schlicht, auf einem graden, schnörkellosen Baum errichtet. Eine große Plattform bietet Ülatz zum Kochen, Schlafen und Abhängen. Unten gibt es eine kleine Badezimmerplattform mit der wohl schönsten Aussicht, die eine Toilette nur bieten kann. Und nach oben verschwindet eine kleine Leiter im Palmdach, führt hinauf in ein kleines Krähennest, wo man die Aussicht über den Dschungel ganz für sich alleine hat.

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Die Strecken sind so verzweigt, dass es mehrstöckige Zwischenstationen gibt.
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Die Baumhauser sind feinste Handwerkskunst. Wie Peter Pan fliegen wir von einem zum anderen.

Der Abend im Baum

Die Baumhäuser sind so errichtet, dass in der Nähe ein noch höherer Hügel ist. So gelangt das Wasser von diesem Hügel über einen langen langen Schlauch erst hinunter ins Tal und dann durch den eigenen Druck am Baumstamm hinauf in den Wasserhahn. Umgekehrt verläuft der Schlauch aus der Toilette den Baum hinunten, dann natürlich nicht den Hügel hinauf, sondern er verschwindet irgendwo weiter unten im Tal. Clever gemacht.

Unser Guide lässt uns allein, um das Abendessen in einer nahegelegenen Waldhütte zu bereiten. Uns genügt ein Blickwechsel um festlegen, wie wir uns die Zeit vertreiben: Wir zippen hin und her! Immer weiter, unermüdlich, bis das Abendessen kommt. Es gibt Reis mit gedünstetem Gemüse, sogar etwas Fleisch ist dabei, und obwohl in einer simplen Urwaldküche bereitet, hat es absolutes Restaurantniveau. Der Guide zieht sich für die Nacht in die Urwaldhütte zurück und wir genießen das Mahl. Die Reste lassen wir einfach stehen und genießen den Sonnenuntergang.

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Dusche mit Aussicht, zehn Meter überm Boden, auf einer separaten Plattform.

Letzte Chance zu duschen, denke ich mir, und nehme direkt mal die Kamera mit. Damit ich das hinterher überhaupt selbst noch glaube, dass ich mich tatsächlich in einer Baumkrone dusche, zehn oder fünfzehn Meter über dem Boden, und dabei nicht nur eine ordentliche Brause genieße, sondern einen unverbaubaren Blick über den laotischen Dschungel. Nein, das trifft die Sache nicht ganz, denn ich blicke nicht über den Dschungel, ich bin mitten drin!

Bald ist es dunkel. Das einzige Licht wird durch ein paar LEDs auf die Sitzecke geworfen, die wiederum aus einer Autobatterie gespeist werden, die tagsüber durch ein Solarpanel aufgeladen wird. Tony spielt auf seiner Ukulele und wir lauschen andächtig – sowohl ihm als auch dem nächtlichen Konzert des Dschungels. Das nimmt jetzt an Fahrt auf und Grillen, Vögel und Insekten lärmen um die Wette.

Wir fühlen uns magisch berührt, als Teil des Dschungels, des großen Ganzen, und doch in der erhabenen Position des komfortablen Baumhauses. Das spärliche Licht wirft zackige Schatten durchs Baumhaus, Äste umschließen uns, geben uns Halt, wie in einem schützenden Cocon. Die Krone der Schöpfung in der Krone des Baumes, wie es sich gehört.

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Mit Gitarre und Wein lassen wir den Tag ausklingen. Sieht gemütlich aus…
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… ist es auch. Aber ohne Blitz vom Fotoapparat sieht es eher so aus. Und der Dschungel liebt den schwachen Schein der LED.

Pfui! Spinne!

Kurz darauf steht die Krone der Schöpfung auf dem Hocker und kreischt. Ich war nur kurz für kleine Königstiger auf die untere Plattform gestiegen und eile neugierig wieder hinauf. Kaum linse ich über die Treppe, habe ich es plötzlich gar nicht mehr so eilig. Judith steht auf dem Hocker und deutet zitternden Fingers auf einen haarigen Fleck.

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Da sitzt eine gewaltige Tarantel mittem im Schein der spärlichen Lampe. Ich will nicht behaupten, dass sie Suppentellergroß ist, aber auf den Kuchenteller passt die nicht mehr. Ui! Und jetzt? Man würde doch annehmen, dass sich die Krone der Schöpfung zu helfen weiß. Doch plötzlich finden wir die Äste und Blätter um uns herum gar nicht mehr so schützend, erfüllen uns die Schattenwürfe mit Entsetzen. Die Haare an meinen Armen stehen stramm nach oben.

Aber die Krone der Schöpfung wird sich doch wohl zu helfen wissen, denke ich, und greife einen Besen. Ein Schwung und die Tarantel fliegt über die Plattform und hinab auf den Waldboden! Klang gut in meinem Kopf, doch sie rutscht nur bis an den Rand, und dort verschwindet sie erstmal über die Kante und wartet.

Und wir? Wir warten auf Rettung. Keiner will mehr mit dem Rücken zum Rand sitzen. Wir spielen weiter auf der Ukulele, doch eigentlich starren wir nur zum Geländer und warten darauf, dass die Spinne wieder auftaucht. Plötzlich fühlt sie sich ganz klein, die Krone der Schöpfung.

Dann bin ich es der schreit, denn von hinten schleicht sich ein weiteres Viech durch meine Stuhlbeine hindurch. Offenbar mögen sie den Schein der Lampe. Verflucht! Das ist zwar nur der kleine Bruder, aber auf dem Kuchenteller wird’s auch für diese Tarantel eng. Ich springe auf und verscheuche sie so. Sie verschwindet im Dunkeln – direkt zu unseren Betten.


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Eine wilde Nacht

Die Betten bestehen aus auf dem Boden liegenden Matratzen und festen Vorhängen aus Stoff. An dieser Stelle darf ich eine Empfehlung aussprechen, falls der geneigte Leser vorhat, die Gibbon Experience zu besuchen: Man prüfe die Laken bereits bei Tageslicht auf Ungeziefer und stopfe den Vorhang unter die Matratze, sodass kein Lebewesen mehr hinein kommt, dass keinen Daumen hat.

Das hatten wir vergessen, und nun suchen wir panisch die Laken nach dieser Spinne ab. Der Schein meiner Taschenlampe wirft wilde Bewegungen in die Nacht, und obwohl ich mein Bett am Ende dreimal überprüft habe, mache ich heute Nacht kein Auge zu. Ich bin eingehüllt in diesen Vorhang, um den Dschungel draußen zu halten. Doch was, wenn er bereits bei mir drin ist?

Draußen lärmt der Dschungel, immer wieder poltert es auch im Baumhaus. Ich frage mich, wer da draußen wohl seine Party feiert, doch solange sie nicht bei mir hier drinnen stattfindet, sollen sie halt machen. Die Luft ist stickig unter dem dicken Vorhang und ich traue mich die ganze Nacht nicht, mich zu bewegen. Was, wenn sie beißt? Wie gesagt. Eine wilde Nacht.

Der frühe Vogel holt die Essensreste

Die frühen Vögel, um genau zu sein. Eine Gruppe von Nashornvögeln, Hornbills, umkreisen das Baumhaus. Sie haben heute Nacht vermutlich unsere Essenreste geplündert. Mit ihren gewaltigen Schäbeln bleiben sie jetzt aber auf Abstand, verschwinden immer wieder im Morgendunst des Regenwaldes. Alles ist friedlich.

Im Licht des Tages frage ich mich, wie mich eine Spinne derart in Panik versetzen konnte. Ich schüttel die Müdigkeit aus den Glieder und gehe hinüber zu meinen Kleidern, die ich am Abend zum Trocknen ans Geländer gelegt … hey! Wo ist mein Unterhose? Wo sind meine Socken?

„Mäuse“, behauptet der Guide lapidar, als er uns das Frühstück bringt. „Sie wohnen oben im Dach und stopfen ihre Nester gerne mit etwas Stoff aus.“
„Aaaahjaaa“, sage ich misstrauisch. Bei all dem exotischen Getier um uns herum sollen Mäuse heute nach für diesen Lärm gesorgt haben? Süße, unschuldige Mäsuchen?

„Das ist ein Dschungel da draußen“, grinst Tony gutgelaunt. Ihn konnte die Vogelspinne nicht von einem tiefen Schlaf abhalten, er schnarchte wie ein Baby. „Wie wär’s mit ein bisschen Ziplining?“

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Vor lauter Schreck haben wir die Spinnen nicht fotografiert. Aber der kleine Freund hier hat auch viele Füße.
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Wesentlich hübscher als die Spinnen sind die Schmetterlinge im Baumhaus.
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Nashornvögel umkreisen im Morgengrauen unser Baumhaus. (Foto: Pixabay)
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Die Namensgeber der Gibbon Experience. Mit langem Gesang begrüßen sie den Tag. (Foto: Pixabay)

Wie die Kinder

Oooooh ja! Wir schwingen uns hinüber zum Waldboden und zippen ein wenig zwischen den Hügeln und Baumhäusern hin und her. Da hält der Guide plötzlich inne und weist uns auf ein Geräusch hin, mehr ein Gesang. Ein langgezogenes „Uuuuuh“ hallt vom anderen Endes des Tals zu uns hinüber, hell und klar schwillt es minutenlang auf und ab.

„Gibbons“, strahlt der junge Laote. Tatsächlich, als sie sich bewegen, sehen können wir sie ausmachen. Ein Männchen und ein Weibchen, braun und schwarz, frühstücken im Baumwipfel und kommunizieren singend mit den Artgenossen in anderen Tälern. Wir beobachten sie andächtig. Schließlich schwingen sie sich ein paar Bäume weiter, entschwinden unserem Blickfeld, und uns fallen die Ziplines wieder ein. Ein bisschen Spaß muss sein!

Bald haben wir unsere Lieblingsstrecke ausgemacht, ein weites Tal mit phänomenaler Aussicht. Und das beste: Zwischen den zwei hin- und herführenden Ziplines muss man kaum laufen. Die Schrecken der Nacht sind wie weggeblasen und wir zippen den ganzen Tag hin und her, jauchzend und jodelnd. Immer schneller nehmen wir Anlauf, immer weniger wird am Ende gebremst. Vollgas durch den Dschungel! Wir fliegen!

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So macht wandern Spaß!

Weil außer uns grade scheinbar keine Gruppe im Wald ist, können wir machen, was wir wollen. Wir filmen uns gegenseitig, machen alberne Stunts, kommen aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Das Gefühl, hier zu sein, allein, in diesem Dschungel, der so gar nicht kommerzialisiert wirkt wie viele andere Ziplines, ist unbeschreiblich.

Trotz allem Spaß haben wir ein Bewusstsein für die Erhabenheit der Natur, für die Wichtigkeit dieses Projekts, und wir staunen in Ehrfurcht über die Schönheit des Dschungels. Indem wir hierher kommen, helfen wir, ihn zu erhalten. Unsere lauten Rufe gehen unter im Lärm der Natur, werden die Gibbons kaum stören, denn mit wenigen Hangelbewegungen sind sie weit von uns entfernt. Wir stören hier niemanden, das glaube ich fest. Im Gegenteil: Ohne uns Touristen wäre der Wald vermutlich schon halb verschwunden. Und obendrein haben wir einen Spaß wie die Kinder.

Glücklich und erschöpft schwingen wir uns am späten Nachmittag zurück zu unserem Baumhaus. Wieder stehen meine Haare stramm, doch diesmal ist es das Adrenalin, das Glücksgefühl, das ich bis in die Spitzen fühle. Keine Spinne, keine Maus und kein Nashornvogel wird mir das Gefühl nehmen, das heute durch meine Adern fließt. Denn heute Nacht bin ich vorbereitet.

Wie Tony schon richtig erkannt hat: Es ist nunmal ein Dschungel da draußen!

Laos-Gibbon-Experience-Baumhaus-Sonnenuntergang
Am zweiten Abend sind vorbereitet. Die Nacht im Baumhaus kann kommen!

Fakten und Tipps


Alle Informationen über das Projekt findest du auf gibbonexperience.org. Hier kannst du deine Tour auch buchen. Inzwischen gibt es dreierlei Arten. „Classic“ entspricht dem, was ich damals gemacht habe und ist konditionell wirklich einfach zu schaffen. Dann gibt es noch eine Tour mit längeren Wanderabschnitten, auf der noch ein paar Schmankerl aus der Natur besucht werden, sowie eine verkürzte. Die beiden ersten Varianten dauern drei Tage und zwei Nächte, die letzte je eine/n weniger.

Die Kosten halten sich seit meinem Besuch – das war im Herbst 2012 – bei ca. 300 Euro (die kürzere Tour unter 200 Euro). Für Laos ist das viel Geld – für diese weltweit einmalige Erfahrung ist aber jeder Euro gut investiert. Und das im wahrsten Wortsinne, denn inzwischen arbeiten 120 Einheimische für die Organisation, inklusive 15 Parkrangern, die den Erhalt des Nationalparks sicherstellen.

Die Tour beginnt immer in Huay Xai (auch Huayxay geschrieben). Diese Stadt ist entweder von Thailand aus gut zu erreichen (zur Grenzstadt Chiang Khong gelangt man z.B. von Chiang Mai oder Chiang Rai), oder per Longtailboat von Luang Prabang in Laos (per Straße geht’s natürlich auch, ist aber mit zeitaufwändigen Umwegen verbunden.)

In meinem Fall habe ich spontan vor Ort gebucht, da die Buchung über die Webseite aber inzwischen super aufgesetzt ist, empfehle ich definitiv eine Vorabbuchung. Ansonsten: Guten Rutsch!

Die Gibbon Experience in Laos – Mit der Zipline ins Baumhaus

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