Der südliche Kungleden ist ein ruhiger und weniger bekannter Abschnitt des Kungsleden, des „Königswegs“, durch Schweden. In 2 Wochen im August folgten meine Freundin und ich diesem Wanderweg. In diesem Beitrag findest du alle notwendigen Fakten und Tipps.

Hinweis: Unser Wanderlogbuch zu den einzelnen Abschnitten findest du in gesonderten Blogbeiträgen. Folgende Links bringen dich direkt dorthin:

Anreise

  • Die Anreise von Stockholm dauert ca 9-10h, je nach Verbindung. In Schweden gilt: Je früher man bucht, desto günstiger sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Und die Preise sind zunächst sehr günstig, steigen dann aber massiv an. Es lohnt sich also, früh so früh wie möglich zu buchen!
  • Verbindung: Zug nach Åre und dann weiter mit dem Zug bis Storlien und zurückwandern oder trampen. Oder ab Åre gleich mit dem Bus weiter und an Storliens Fjällgård STF aussteigen (diese Hütte liegt eigentlich bei Storvallen, 4km östlich von Storlien)
  • Wer wie wir Abends mit dem Flieger in Stockholm landet: Es gibt auch Nachtzüge.
  • Der Flughafen liegt direkt an der Nord-Süd-Verbindung durch Schweden. Wenn man es geschickt plant, kann man hier direkt in den Zug zum Trail einsteigen.
  • Tickets für den schwedischen Fernverkehr gibt es hier.
  • Von Grövelsjön fährt täglich mindestens ein Bus, der dich zurück zur Nord-Süd-Verbindung des Zugs bringen kann.
  • Viel schneller geht die Anreise jedoch über Trondheim, Norwegen. Von dort gibt es Zugverbindungen nach Osten über die Grenze bis Schweden. Infos, wie man in Trondheim vom Flughafen zum Zug kommt, habe ich leider nicht.

Verpflegung

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Wasser entnimmt man am besten aus schnell fließenden Gewässern.

Wasser gibt es genug entlang des Trails. Man sollte es aus möglichst klaren, schnell fließenden Gewässern entnehmen.
Wir haben keinerlei Chlortropfen verwendet, auch keinen Filter. Ein bisschen hat es gelegentlich in der Verdauung gerumpelt, aber es geht schon.
Es genügen Gefäße für 2 Liter pro Person. Meistens kann man sogar deutlich weniger schleppen, weil man alle paar Stunden über einen kleineren oder größeren Bach steigt.

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Hütten werden mit Helikoptern versorgt. Daher sind die Preise etwas teurer.

Essen kann man im Grunde täglich in den Hütten kaufen. Dort liegen die Preise ca. 50% über den normalen schwedischen Preisen (die ja ohnehin keine Schnäppchen sind), weil die Hütten mit dem Helikopter versorgt werden.
Wer aber nicht in den Hütten schläft, dem empfehle ich trotzdem generell, einen Vorrat für zwei Tage dabei zu haben. So ist man flexibel, falls einen zum Beispiel das Wetter mal zu einer Planänderung zwingt.

Ironischerweise hatten wir ausschließlich in Fjällnäs, der einzigen Ortschaft auf dem Weg, keine Chance unsere Vorräte aufzustocken, weil Wochenende war. Ansonsten sind die Etappen vor und hinter Fjällnäs (Ende Abschnitt 1, Anfang Abschnitt 2) zu den nächsten Hütten sehr lang. Wer da keine Monsteretappen machen mag, benötigt allein deswegen Verpflegung für zwei Tage.

Außerdem ein Argument für etwas Extra-Verpflegung: Grade die kleineren Hütten im Rogengebiet sind nicht zwingend immer bis obenhin bestückt. Dann muss man kaufen, was noch übrig ist.

Hier ein paar Tipps für Dinge, die man mitnehmen kann. Kriterien sind ein geringes Gewicht, kurze Kochzeiten und ein hoher Sattmachfaktor:

  • Kartoffelpüreepulver
  • Fertig-Reis-Gerichte
  • Speck oder Trockenfleisch – gibt Kraft und schmeckt intensiv
  • Couscous mit Ferticsaucen oder Tütensuppen
  • Zum Frühstück Haferflocken – kann man am einfachsten mit Zimt würzen
  • Nüsse
  • Salz, Pfeffer und Tomatenmark zum Verfeinern

Auf den Hütten kann man sich regelmäßig Obst (z.B. zum Verfeinern der Haferflocken), Gemüse (für warme Mahlzeiten) oder auch Schokoriegel (für den Heißhunger) für den Tagesbedarf dazukaufen.

Blaubeeren gibt es immer wieder am Wegesrand. Ich hatte allerdings das Pech, dass ich mir so Würmer eingefangen habe. Vielleicht hatte ich nur maximales Pech. Trotzdem muss ich empfehlen: Gut abwaschen!

Ausrüstung und Material

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Ich hatte ca. 19kg Gepäck dabei, das umfasste Lebensmittel für 4-5 Tage auf Vorrat.

Auch im Hochsommer (Juli/August) wird definitiv eine warme, regendichte Jacke und eine lange Hose benötigt. Wenn die Sonne scheint, kann man zwar auch mal kurzärmelig und -beinig laufen, aber erwarten kann man das nicht.

Für die Nächte empfehle ich einen Schlafsack, der auch bei 0°C noch komfortabel ist. Oft unterschätzt wird hierbei, dass auch die Isomatte entsprechend isolieren muss, sonst bringt der Schlafsack goa nix, weil dann der am Rücken ja zusammengedrückt wird. Daher ist zum Boden hin die Isolierung der Isomatte entscheidend. Ich empfehle einen R-Faktor von mindestens 3.

Außerdem empfehle ich dringend eine Regenhülle für den Rucksack, sowie leichte Handschuhe! Jawoll, auch im Sommer! Sonst macht Frühstück kochen keinen Spaß (wenn es das denn sonst täte). Und last but not least: Compeed Blasenpflaster!

Die Größe des Rucksacks hängt davon ab, ob du zeltest oder Hütten nutzt. Wir hatten knapp 20 Kilo zu tragen, aber bei unserem Material nicht wirklich aufs Gewicht geachtet. Dafür brauchst du aber sicher über 60L, so oder so. Inzwischen sind wir deutlich professioneller Unterwegs, ein ähnliches Volumen wird dennoch benötigt. Irgendwann mache ich mal noch einen Artikel für eine ordentliche Packliste.

Der beschriebene Wanderweg von Storlien bis Grövelsjön wird von 3 Karten abgedeckt. Wir haben uns damals die dritte Karte gespart und eine möglichst detaillierte Satellitenaufnahme (ich glaube von Google Maps, ich weiß schon, Widerspruch in sich) ausgedruckt, da diese Karte nur für etwas über eine Tagesetappe gebraucht wird. Das haben wir uns selbst gegenüber verantwortet, weil man in der Nähe von Grövelsjön ja wieder so langsam auf mehr Leute und Wegweiser trifft.
Ansonten kann ich das kleine gelbe OutdoorHandbuch für diese Wanderung sehr ans Herz legen. Es deckt auch den gesamten Nördlichen Kungsleden ab, ist aber trotzdem klein und leichtgewichtig.

Der Weg und das Schuhwerk

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Der Winterwanderweg ist durch große rote Kreuze auf hohen Pfählen markiert (links), der Sommerweg durch orangene Punkte auf Steinen.

Der Winterwanderweg ist mit großen roten Kreuzen auf 2-3 m hohen Pfählen markiert. Der Sommerwanderweg wird durch orangene Punkte auf Felsen angezeigt. Meist sieht man die roten Kreuze ohnehin überall. Nur wenn der Sommerweg deutlich abweicht, muss man mal aufmerksam sein, etwa in den Steinfeldern ums Rogengebiet. Ein Hexenwerk ist das aber nicht.

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Flüsse sind entweder überbrückt…

Die Wege sind eigentlich immer gut ausgetreten und somit auch gut zu sehen. Sumpfiger Untergrund ist mit Planken ausgelegt. Flüsse sind überbrückt, außer sie sind so flach, dass man bequem hindurchwaten kann. Dann sind aber meist große Steine von Wanderern so gelegt worden, dass man sich das Ausziehen der Schuhe sparen kann. Dennoch empfehle ich eine ordentliche Membran im Schuh, z.B. von GoreTex, auch wegen den sumpfigen Abschnitten.

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… oder einfach zu durchwaten.

Eine zweite Überlegung der Schuhe betrifft die Härte der Sohle:
Für das Rogengebiet empfiehlt sich grundsätzlich schon ein Schuh mit harter Sohle. Man darf nicht unterschätzen, wie anstrengend Geröllfelder zu gehen sind, wenn man fast 20kg Gepäck auf dem Rücken trägt. Ein möglichst fester Schuh hilft da ungemein.

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Sumpfige Abschnitte sind mit Planken ausgelegt

Ein weiterer Vorteil von festen Sohlen: Das verwendete Material ist in der Regel abriebfester. Die (weichen) Schuhe meiner Freundin waren nach dieser Wanderung tatsächlich ziemlich abgewetzt und dadurch leidet seither die Wasserabweisung. Diese Gefahr ist bei festen Sohlen deutlich geringer.

Der Vorteil von weichen Sohlen: Sie sind allgemein angenehmer zu tragen, oft leichter und verursachen vor allen Dingen weniger Blasen.

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Für das Wandern im Rogengebiet empfehlen sich grundätzlich feste Sohlen

Wir haben uns dennoch für einen Wanderschuh mit einer weichen Sohle entschieden. Für eine lange Wanderung erschien es uns einfach angenehmer. Blasen haben wir zwar auch in den weichen Schuhe bekommen, in festen wären sie aber vermutlich schlimmer geworden. (Auf jeden Fall sollte man Compeed Blasenpflaster mitnehmen!)

Es gilt also abzuwägen. Ich würde es vermutlich aber wieder so wählen, weil ich keine Erfahrung im Fernwandern mit festen Sohlen habe – und Blasen ein Wandervergnügen wirklich trügen können.

Beste Jahreszeit

Im Sommer empfehlen sich die Monate Juli und August. Juni geht vermutlich auch schon gut, d.h. der Schnee sollte weitestgehend geschmolzen sein, aber je früher ihr im Sommer aufbrecht, desto größer ist das Mückenproblem. Wir konnten im August im Grunde froh über ein paar eisige Nächte sein, denn dadurch gab es – vor allem im zweiten Wanderabschnitt – weit weniger Mücken als befürchtet.

Im Winter hat der Weg auch einen großen Reiz. Wer gerne Skitouren macht, kann hier das Fjäll nochmal ganz anders erleben. Die Hütten bieten z.T. tollen Winterkomfort (Stichwort: Sauna). Für den Winter empfiehlt sich die zweite Winterhälfte, da sich bis dahin in der Regel eine ordentliche Schneeschicht angesammelt hat.

Tipps für Abschnitt 1: Storvallen (bei Storlien) bis Fjällnäs. 6 Tage, 94 km

Dieser Abschnitt ist recht bequem in 6 Tagen zu schaffen, wenn man das eigene Zelt nimmt, oder in 5 Tagen, wenn man auf Hütten übernachtet (dann wird der letzte Tag zwar sehr lang, aber man benötigt ja weniger Gepäck). Wir haben im Grunde nur deswegen 7 Tage im Protokoll stehen, weil wir am Abend der Anreise noch ein paar wenige Kilometer den Trail hinein gegangen sind.

Es geht durch karges, aber wunderschönes Fjäll auf gut ausgetretenen Wegen, die jedoch immer wieder von Steinen übersäht sind. Trotzdem genügen weiche Sohlen, auch weil es oft durch weiches, sumpfiges Gelände geht. Sumpflandschaften sind mit Planken ausgelegt.

Der Abschnitt ist recht stark belaufen, die Hütten bieten zum Teil Platz für 120 Leute und haben Saunas dabei – das sagt schon, was hier los sein kann. Trotzdem ist es eine empfehlenswerte Wanderung, denn das Gefühl, mitten im Nirgendwo zu sein, stellt sich auch hier schnell ein.

Es gibt mehr als genug fließendes Wasser, das man zum Trinken verwenden kann. Die meiste Zeit genügt 1L Trinkwasser auf Vorrat. Wenn man seine Tagesetappen vorher ein wenig auf der Karte betrachtet, erkennt man schnell, wo man sich das erlauben kann und wo nicht.

Tipps für Abschnitt 2: Fjällnäs bis Grövelsjön. 5 Tage, 80 km

Landschaftlich ganz anders präsentiert sich über weite Strecken der zweite Abschnitt. Das Rogengebiet ist bewaltet und immer wieder von Geröllfeldern durchzogen. Überall ist Wasser, doch es ist wenig in Bewegung.

Wenn man diesen Abschnitt als eine 5-tägigen Hüttentour plant, ist der erste Abschnitt sehr lang. Mit einem Zelt lassen sich die Etappen gleichmäßiger planen.

Seine Zeltplätze im Rogengebiet plant man am besten ein wenig vor, denn durch den Wald sind gute Plätze deutlich seltener als im ersten Abschnitt. Die Hütten sind relativ klein, was auch zeigt, dass dieser Abschnitt deutlich weniger belaufen ist als der erste. Verpflegung kann man aber auch dort gut nachkaufen, nur ist die Auswahl meist nicht so groß.

Auch seine Wasserflaschen sollte man nun voller machen als im ersten Abschnitt, wenn man einen klaren Bach findet. Es gibt zwar haufenweise Seen und Bäche, das Wasser fließt jedoch meist kaum und ist daher relativ stark veralgt. Der Rogen selbst soll super Trinkwasser haben, so oft gelangt man jedoch gar nicht an sein Ufer.

Grundsätzlich empfehlen sich harte Schuhsohlen für das Rogengebiet. Argumente dafür und dagegen findest du im Abschnitt zum Schuhwerk.

Alle Tipps die du zum Wandern in Schweden brauchst!
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Weiterlesen

Wir denken gerne an unsere Wandung entlang des Südlichen Kungsleden zurück. Es war für uns die erste richtige Langstreckenwanderung und ist tatsächlich für Einsteiger gut zu empfehlen, weil man die Möglichkeit hat, in Hütten zu schlafen oder dort zumindest seine Vorräte aufzufüllen. Außerdem ist das Klima in der Mitte von Schweden im Sommer sehr angenehm zum Wandern. Meine uneingeschränkte Empfehlung!

Unser Wanderlogbuch zu den einzelnen Abschnitten findest du in gesonderten Blogbeiträgen. Folgende Links bringen dich direkt dorthin:

Wandern in Schweden – Der südliche Kungsleden – Fakten und Tipps

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