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Kurz nach sechs in Sauraha, Nepal

Morgens, kurz nach sechs in Sauraha. Auf dem Weg zum Fluss schlendert ein knappes Dutzend Elefanten an mir vorbei, unterwegs zur Arbeit. Ein Ort wie dieser birgt natürlich Anlass zur Diskussion.

Tradition oder Tourismus?

Elefanten sind hier Lasttiere, was erstmal genauso legitim oder nicht legitim ist wie Wasserbüffel.
Die meisten Tiere schultern zudem bis zu viermal täglich eine Handvoll Touristen und drehen gemütlich eine Runde durch die Graslandschaft. Das Schöne für die Touristen, abgesehen vom Reiten eines Drei-Tonnen-Ungetüms, ist, dass man wilden Nashörnern nahe kommt, die sich nämlich um Elefanten praktischerweise einen feuchten Kehricht scheren.

Ich setze mich also erstmal an den Straßenrand und lasse die Tiere an mir vorbeiziehen, so nah, dass ich nur die Hand ausstrecken muss, um sie zu berühren. Und ich sehen in ihre Gesichter und betrachte die dicken Bambusrohre, mit denen sie angetrieben werden, und höre die Nachbarn scharfe Zischlaute ausrufen, mit denen sie ihren Elefanten Befehle erteilen. Und ich sehe nichts als stoische Gelassenheit in ihren Gesichtern, und fühle die Dicke ihrer Haut und merke, dass sie eine normale Reitgerte nicht mal kitzeln würde. Und ich gehe hinüber zum Nachbarn und sehe, wie der Elefant einen Strauß Bananen kriegt, dafür, dass er sich hinlegt. Und ich komme zu dem Schluss, dass das Halten von Elefanten zum Touristenvergnügen erstmal genauso legitim oder nicht legitim ist, wie das Halten von Pferden, und schäme mich dafür, dann man findet, man darf so nicht denken.

Arbeit oder Vergnügen?

Täglich vor der Mittagspause werden die Elefanten gebadet, unten am Fluss, und das halbe Dorf sieht dabei zu. Touristen dürfen für einen Euro daran teilhaben und sich auf einen der Rücken schwingen. Der Bademeister zischt einen Befehl, und das Tier rotzt (wie will man es anders nennen) einem zehn Liter Wasser ins Gesicht und man johlt und kreischt und fühlt sich wieder wie ein kleines Kind. Und man bemerkt ganz nebenbei, dass die Befehle wohl so scharf gezischt werden müssen, weil sie sonst vom Gejohle und Gekreische der Kinder nicht zu unterscheiden wären.

Und dann geht man aus dem Wasser und für einen Moment will kein anderer reiten, und der Elefant spritzt sich trotzdem weiter Wasser über den Rücken während der Besitzer auf den nächsten Kunden wartet. Und man denkt plötzlich, dass es doch vielleicht sogar etwas Gutes ist, mit dem Elefanten zu baden, denn je mehr Menschen auf ihm sitzen wollen, umso länger darf er im Wasser bleiben, und das kindliche Gejohle und Gekreische der Touristen amüsiert vielleicht – ganz vielleicht – ja auch das Tier.

Und dann reiht man sich zwischen die Zuschauer, und es fallen einem gerunzelte Gesichter auf und man hört TssTssTss, und man sieht Holländer, Deutsche, Franzosen, die den Kopf schütteln über diese verwöhnten, weltfremden chinesischen Kinder, die da grade auf das Tier klettern. Man hört, das sei traurig für den Elefanten und fühlt, dass Europäer wohl grundsätzlich eine Moralinstanz sind, verglichen mit ungebildeten Asiaten.

Elefanten oder Pferde?

Und man sieht sich die Elefanten nochmal an uns findet eigentlich nichts, das darauf schließen ließe, dass sie das Bad im Fluss nicht ebenfalls genießen und man fragt sich, in welchem Klassenzimmer diesen Europäern wohl diese Meinung eingeimpft wurde.

Und dann drehen sich die Touristen um und setzten sich ins nächste Restaurant und bestellen sich ein Steak. Weil das Steak freilich von einem Rind ist, das freiwillig ins Messer sprang. Und im nächsten Urlaub gehen sie dann wieder Pony reiten. Weil wir Europäer ja wissen, dass das etwas völlig anderes ist.



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Ein Bad mit der Moral: Elefanten in Nepal

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