Mitreißend, fesselnd, brutal – „Wie die Helden“ von Mick Foley ist ein 300-seitiger Schlag ins Gesicht

Der Plot

Antietum Brown Junior ist 17 und hat erst kürzlich seinen leiblichen Vater kennen gelernt. Das war, als er aus dem Jugendgefängnis freikam. Seine Mutter war bei der Geburt gestorben, sein Vater hatte ihn damals abgegeben, und so hatte er mehrere traumatisierende Pflegefamilien und sich im Heim gegen seine Peiniger zur Wehr setzte. So beginnt die Geschichte in der vorläufigen Endstation im Knast und mit dem Neuanfang durch einen Kennenlernen seines Vaters.

Sein Vater holt ihn ab, als wäre er nur eben Zigaretten holen gewesen, und führt ihn in die Welt des Alkohols und der Pornokinos ein. Frauen muss man demütigen, bringt er seinem Sohn bei, und bringt fast täglich eine mit nach Hause. Zwischen den Akten macht er nackt in der Küche Liegestütze und Kniebeugen, je nachdem, was die Karte, die er aus seinem Pokerdeck zieht, ihm vorschlägt. Und dann geht’s wieder rund.

Antietum jedoch ist ein schüchterner, beinahe schon erschreckend normaler Teenager. Sein Alleinstellungsmerkmal ist ein fehlendes Ohr und eine taube Hand, eine grausame Erinnerung an seine erste Pflegefamilie. Doch ausgerechnet das schönste Mädchen der Schule scheint seine sensible, gutherzige Seele zu erkennen und sie beginnen sich zu Daten.

Auch sein Vater scheint plötzlich eine Frau gefunden zu haben, die ihn länger binden kann. Doch kaum, dass Weihnachten vor der Tür steht, holen ihn die Dämonen seiner Vergangenheit ein und die Geschichte nimmt eine tragische Wende…

Fazit

Das große Kunststück des Autors ist es, eine solch gewalttätige Geschichte in einem so naiven, gutherzigen Ton zu erzählen. Seine Charaktere sind so übertrieben kalt und brutal, dass man lange Zeit darüber schmunzeln kann. Schließlich geht man davon aus, dass am Ende ein Happy End steht, das all die kleinen Horrorgeschichten vergessen lässt.

Doch Vorsicht, soviel sei gespoilert: Das kommt nicht! Das sollte man schon wissen, wenn man sich auf dieses Buch einlässt. Der Autor spielt mit dieser Erwartung, indem er den üblichen Plot umkehrt: Anstatt, dass nach 2/3 der Geschichte ein Tiefpunkt kommt, der zuletzt überwunden wird, schafft er nach ebendieser Zeit eine kurze Zeit des Glücks, das er am Ende umso grausamer zerstört.

Wer dieses Buch liest, sollte Freude haben an diesen Brüchen mit Klischees und an der Erzählkunst, Grausamkeiten wie Belanglosigkeiten aneinanderzureihen. Dann wird man „Wie die Helden“ als kleines Kunstwerk sehen und zuletzt zufrieden sagen: So etwas habe ich noch nie gelesen.



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Buchtipp: Mick Foley, „Wie die Helden“

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